CEOs im Gespräch: BenGolbinsk & MARothschild (Archivfund)

By | 21. Januar 2017
Dominik (Herausgeber)

Dieser Artikel befand sich im Archiv der nicht veröffentlichten Artikel und soll nicht länger verborgen bleiben. Aufgrund verschiedener Umstände wurde dieser Artikel nie fertiggestellt, ist aber dennoch lesenswert. 

In der Kolumne „CEOs im Gespräch“ befrage ich in regelmäßigen Abständen beliebte, angesehene oder umstrittene Personen des AG Spiels zu aktuellen Themen des Marktes, aber auch zu persönlichen Erfahrungen und Aktionen am Markt sowie zu dem ein oder anderen OFF Topic Thema. Nach einer längeren RL bedingten Kreativpause freut es mich nun besonders zum Auftakt zwei so außergewöhnliche Personen wie diese 2 Spieler interviewen zu dürfen!

Heute im Gespräch: MARothschild von der „haMosad“ AG und BenGolbinsk von „Golbinsk Industries“

Guten Abend meine Herren, wie bereits erwähnt, freut es mich besonders nach einer längeren Kreativpause zwei so außergewöhnliche Spieler wie euch beide begrüßen zu dürfen.

MARothschild: Guten Abend, Dominik. Herzlichen Dank für die Einladung. En garde, Ben!

BenGolbinsk: Guten Abend und Danke für die Einladung zum Interview. Bin schon sehr gespannt auf die Antworten meines Interviewpartners.

Gerne doch und auch ich bin schon sehr gespannt :)! Auf ein faires Duell!

Eine Bitte gleich am Anfang: Damit sich nachher jeder auskennt würde ich euch bitten in 5 Stichwörtern eure politische/wirtschaftliche Einstellung darzulegen:

BenGolbinsk: ökosozialistisch, liberal, kommunistisch, republikanisch, LGBT

MARothschild: (wert)konservativ/nationalliberal, ordoliberal, zionistisch, republikanisch

Für den Anfang wage ich jetzt einmal einen kreativen Ansatz, ich werde insgesamt 4 Zitate hier in die Runde schmeißen und ihr antwortet bitte in der vorgegebenen Reihenfolge darauf. Eure Antwort sollte eure Meinung zu dem Zitat und eine eventuelle Richtigstellung oder Untermauerung des Gesagten enthalten. Fangen wir an:

Der Kommunismus ist der bare Unsinn; er hat noch nie eine gesunde Idee erzeugt, er vernichtet das Individuum und endet mit der Anarchie.”  – Gustav von Schmoller

MARothschild: Dieses Zitat enthält einen wahren Kern. Ich würde unverzüglich unterschreiben, dass es sich bei der Ideologie des Kommunismus um baren Unsinn handelt, insbesondere, da er “das Individuum vernichtet”, wie von Schmoller treffend feststellt. Wie jede unumstößliche Heilsbotschaft ist es nicht im Sinne des K. wenn einzelne Querdenker einen (kognitiven) Sonderweg einschlagen schließlich fordert er bereits in der Theorie die absolute und uneingeschränkte Gleichheit/Gleichmacherei aller Menschen, was bedeutet, dass er nicht erst in der Praxis beziehungsweise nicht erst in seiner Ausführung demokratische/aufklärerische Werte verrät, nein, viel mehr ist er von Anfang an darauf ausgerichtet, in die Diktatur zu führen, was Marx selbst ja auch schreibt. Hier widerspreche ich somit dem Zitat, das Ergebnis dieser Ideologie ist mitnichten Anarchie, sondern viel mehr ein totalitäres System, dass den Bürger gefangen nimmt und langsam erdrückt.

BenGolbinsk: Kommunismus heißt eigentlich Gemeinschaft und das macht den Kommunismus aus. Nur wie kommt zu einer Gemeinschaft, die nicht das Kapital sondern den Menschen im Vordergrund stellt. Der Kommunismus bietet  viele Ideen, die sehr positiv sein können. Freie Bildung, freies Gesundheitswesen, Betriebe, wo einzelne genauso mitreden können. Das Individuum wird nicht vernichtet. Man kann sich zwar nicht wirtschaftlich individualisieren, jedoch hat man schon das Recht sich selbst zu entfalten. Die Diktatur des Proletariats ist nichts anderes als der Klassenkampf zwischen Arbeiter und Bürgerliche. Hier wird lediglich die Machtverschiebung von bürgerlicher Politik hin zur proletarischen Politik vollzogen. Ziel dieses Kampfes ist die Dominierung der Arbeiterklasse und die Zerstörung des bürgerlichen Staatsinstrumentes. Dieser Vorgang kann Jahrhunderte lang dauern. In den Anarchismus endet das nicht, da der Anarchismus eher das ganze Staatsinstrument zerstören will und keinen Staat haben will.

„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ – Henry Ford

BenGolbinsk: Die Menschen sollten sogar unser Banken- und Währungssystem verstehen, denn so würden sie auch verstehen, wieso unsere Welt zugrunde gehen wird. Hier kann man auch sehr gut erkennen, dass Henry Ford sogar sehr darauf abzielt, dass man das System nicht verstehen soll. Denn so haben Banken, Unternehmen und Konzerne die Möglichkeit weiter ausbeuterisch und asozial zu agieren. Es wird oft das Bild des Unternehmers (nicht alle) dargestellt, der Arbeitsplätze schafft und das Land vorantreibt und überall so toll agiert. Wenn man sich aber die Realität ansieht kann man eher bemerken, dass Unternehmer eher genau das Gegenteil machen. Sie wandern von Staat zu Staat um kurz Förderungen zu kassieren und billige Arbeitskräfte zu bekommen. Viele große Unternehmen steuern sogar schon das politische Geschehen zu ihrem Gunsten und dann hat man Skandale, die dem Volk Milliarden kosten. Man braucht sich nur ansehen was die Kapitalisten die letzten Jahren in den ehemaligen Ostblockstaaten angerichtet haben. Sie haben das Volk als Lohnsklaven verwendet, Tausende Menschen in die Kriminalität getrieben, das Volkseigentum an Konzerne und Oligarchen verkauft und diese dann ins Ausland transportiert haben. Die einzigen Personen, die von der Wende profitiert haben sind Unternehmer, Politiker und einige wenige Personen. Es gibt aber auch Unternehmen, die nicht so sind bzw. eher in ihrer Heimat bleiben. Diese werden aber dann oft von eben diesen großen Unternehmen übernommen und eine steigende Monopolisierung beginnt.

Eine Revolution kann militant, aber auch in einer anderen Form abgehalten werden. Trotzdem sind die meisten Revolutionen blutig. Kommunisten zum Beispiel sollten sogar eine Revolution mit Waffen bestreiten und die Ausbeuter zum Teufel jagen.

MARothschild: Ich bezweifle stark, dass die Menschen zu den Waffen greifen würden, würden sie unser Finanzsystem verstehen – was viele im Übrigen tun. Ich glaube, dass es in den Menschen trotz aller Affekte und Emotionen ein Quäntchen Vernunft gibt – und diese Vernunft ist es, die sie meiner Meinung nach erkennen ließe, wie viel Wohlstand der Kapitalismus ihnen in den letzten Jahrzehnten gebracht hat – insbesondere verglichen mich den realsozialistisch regierten (Ostblock)Staaten. Dass es auch in unseren Wirtschaftskreisen Armut und Unzufriedenheit gibt, möchte ich gar nicht bestreiten, doch es ist allein im freien Markt möglich, sozial und finanziell aufzusteigen – so lange er wirklich frei und “durchlässig” gestaltet ist.

Des Weiteren teile ich Fords Abneigung gegenüber Revolutionen. Wenn uns diese Geschichte eins lehrt, dann, dass es noch nie wirklich sinnvoll war, wenn eine militante Bewegung sich aufgemacht hat, die bestehendenden Verhältnisse von heute auf morgen ins Gegenteil zu kehren. Es gab nicht eine echte und unabhängige Revolution, die im Übrigen immer gewaltsam ablaufen, die man nach humanistisch-demokratischen Kriterien als erfolgreich bezeichnen könnte. Wenn überhaupt, dann die Wende in Ostdeutschland – die – man glaubt es kaum – gegen einen sozialistischen Unrechtsstaat gerichtet war.

„The trouble with socialism is you eventually run out of other people’s money!“ – Margret Thatcher

BenGolbinsk: Dadurch, dass der Sozialismus eigentlich nur der Übergang zum Kommunismus und dieser auch die Abschaffung des Währungs- und Geldsystems einleitet, stimmt dies nicht ganz. Man soll sogar unabhängig von anderen sein. Man soll nur beim nationalen Befreiungskampf und beim Aufbau eines komm. Systems behilflich sein.

Ein sozialistischer Staat hat nicht das Ziel eine wirtschaftliche Macht zu werden und einen gigantischen Konsummarkt zu gestalten. Ein soz. Staat hat sich das Ziel gesetzt den Menschen in den Vordergrund zu stellen. Die Zentralverwaltungswirtschaft ist hier ein sehr wichtiger Grundpfeiler. Hier haben nämlich nicht Unternehmen oder einzelne Individuen das Sagen sondern das Volk selber. Als Gesamtvertretung wird hier die komm. Partei herangezogen, die gemeinsam mit der Verwaltungsstelle die Wirtschaft im Vorraus plant.

MARothschild: Da dieses Zitat augenscheinlich auf meiner Zeitungsseite entdeckt wurde, wird man wohl erwarten, dass ich ihm zustimme und dies ist auch der Fall.

Da die Planwirtschaft meilenweit von der Funktionstüchtigkeit der freien/sozialen Marktwirtschaft entfernt ist, kann man nicht damit rechnen, dass sich rote Utopien von selbst finanzieren – verschärft wird das ganze noch dazu durch den Aspekt, dass der (real)sozialistische Staat gewaltige Summen aufwenden muss, um seine völlig überzogenen sozialen Aufgaben (zum Beispiel Grundeinkommen) zu erfüllen. Folglich muss Fremdkapital eingesetzt werden (man erinnere sich an Strauß und die DDR oder zahlreiche südamerikanische Staaten wie etwa Argentinien) um noch irgendwie über die Runden zu kommen. Doch irgendwann finanziert selbst die liebevollste Mutter ihrem heroinsüchtigen Sohn keinen weiteren Schuss mehr – entweder verstirbt er dann, weil er sich konsequent weigert einen anderen Weg einzuschlagen oder er kommt irgendwie von seinem Stoff los, macht sozusagen einen Entzug. Übertragen in die reale Welt, verbunden mit einem konkreten Beispiel wäre das etwa die Wahl von Mauricio Macri zum Präsidenten von Argentinien.

Dass Ben versucht, diesen Argumenten lediglich damit zu begegnen, dass er behauptet, dass bisher noch kein wirklich sozialistischer Staat existierte und daher alle gescheiteren Versuche keinen Makel an der eigentlichen Idee hinterlassen, ist – pardon – ein Armutszeugnis. Wenn man ein neues Medikament anwendet und die ersten 20 Patienten jämmerlich krepieren, sagt man sich beim 21. doch auch nicht “Theoretisch müsste das Medikament aber wirken” und verschreibt es erneut. Irgendwann muss man anerkennen, dass sich bestimmte Überlegungen einfach nicht umsetzen lassen.

“Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation und es ist mir gleichgültig wer die Gesetze macht!” – Meyer Amschel Rothschild

MARothschild: Ein sehr amüsantes Zitat, das eindrucksvoll illustriert, was ich gerade nicht für richtig halte. Ich bin ein Verfechter der fruchtbaren, partnerschaftlichen Koexistenz von Wirtschaftswesen und Staat. Es ist keiner Sache zuträglich, wenn eine Seite die andere dominiert, sei es  entweder durch gezielte Marktmanipulation oder massive Überregulation/übertriebenen Interventionismus. Rothschild beschreibt gerade den ersten von mir beschriebenen Fall und diesen heiße ich genauso wenig gut wie den zweiten.

Dass die Wirtschaft bei Verhandlungen allerdings die ihr eigene Macht einsetzt um das für sie bestmögliche Ergebnis zu erzielen halte ich hingegen nicht für verwerflich, das ist normales, sinnvolles Geschäftsgebaren.

Danke für eure Antworten. Um dieses Interview auf eine etwas AG-Spiel nähere Ebene zu heben, möchte ich nun ein wenig über Userprojekte sprechen. Ihr habt/hattet beide eine eigene Userzeitung und damit – wie ich jetzt zu behaupten wage – die einzig politisch beladenen Userprojekte. M.A. ich möchte jetzt mit deiner Zeitung „La Réaction“ anfangen. Du schreibst u.a. : Ihr seid für das gehobene Bürgertum, für den (Wirtschafts)liberalismus und gegen den Kommunismus. Des Weiteren stellt ihr die provokante Behauptung auf, dass Linke euch und v.a die Freiheit fürchten und hassen! Meine Frage jetzt an dich: Warum braucht es im AG-Spiel eine solche Zeitung/politische Ausrichtung und wieso seht ihr offensichtlich die „Linken“ als Feindbild an?

MARothschild: Ich glaube nicht, dass das AG-Spiel irgendeine Zeitung (abgesehen von der spielinternen)  wirklich “braucht” um reibungslos zu funktionieren, schließlich ist es in erster Linie eine Börsensimulation und kein Literaturcafé. LR ist in erster Linie satirisch/unterhaltend ausgerichtet, erst danach kommt der politische Aspekt. Mein Anspruch war es nie, irgendjemandem das Fürchten zu lehren.

Somit muss die von dir angesprochene aggressive Präsentation der Zeitung nach außen und insbesondere die klare Abgrenzung gegenüber “Linken” in diesem Kontext gesehen werden. Ich attackiere gerne und oft, und nichts anderes ist die Aufgabe meines Magazin, es ist sozusagen eine Art intellektuelle/ironische Ausgabe der Bild.Völlig ohne Bilder, versteht sich.  Der essentielle Liberalismus, der hierbei vertreten wird, ist häufig nur das Salz in der Suppe, quasi der Aufhänger für gezielte Kritk, die ich jedoch häufig auch genau so meine (siehe Regulationen durch Rady).

Übrigens ist LR gar nicht als Angriffswaffe gegründet worden, sondern viel mehr in dem Wunsch, Bens Tiraden und Pamphleten im Market Maker einige spitze, wenn auch augenzwinkernde Worte entgegenzusetzen.

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