Der Begriff Börse wird sowohl für das Börsengebäude als auch die Börse als organisierten Markt für den Handel mit vertretbaren Vermögenswerten, die im Verkehr üblicherweise nach Zahl, Maß oder Gewicht bestimmt sind, verwendet.

Gabler Wirtschaftslexikon

Jetzt wissen wir also schon einmal was eine Börse offiziell ist, doch was genau verbirgt sich hinter dieser recht abstrakten Formulierung und wie genau sind Börsen eigentlich entstanden? Um diese beiden Fragen und noch einiges mehr dreht sich der nachfolgende Artikel.

Doch woher kommt das Wort Börse eigentlich – hierfür gibt es 2 Theorien: Die Erste besagt, dass sich das Wort vom griechischen Vokabel byrsa ableitet, was soviel wie Geldtasche bedeutet, die Zweite meint, dass der Name von einem Gebäude in Brügge stammt, welches „van den Beurse“ hieß und dessen Fassade ein Wappen mit 3 Geldsäcken zierte. So kann man wohl zusammenfassend sagen, egal welcher Theorie man Glauben schenken mag, der Name Börse hat wohl etwas mit einem Sack/einer Tasche mit Geld darin zutun.

Wie anfangs festgehalten ist eine Börse also ein Markt und was braucht ein jeder Markt um zu funktionieren? Richtig geraten! Marktteilnehmer, die untereinander Handel treiben wollen. Daraus folgt auch, dass es zu Zeiten als sich jeder selbst sein Mittagessen erlegt  und sich eigens auf die Suche nach einem heimeligen zu Hause aka. einer Höhle gemacht hat es keinen Bedarf an Märkten gab. Erst eines Tages – vermutlich als wieder einmal eine Ehefrau verhungert ist, weil ihr Mann statt wilder Tiere mit dem Pfeil nur Luft und Bäume traf – kam man auf die Idee, dass jeder unterschiedliche Stärken hat und daher Arbeitsteilung ein sinnvolles Konzept sein könnte. Nun hatte jeder verschiedene Güter anzubieten und die ersten Marktplätze hatten ihre Daseinsberechtigung erhalten.

Wurde anfangs nur mit Waren gehandelt so ließ die nächste Eingebung nicht lange auf sich warten. Einerseits war es ziemlich unpraktisch die Waren immer zum Markt zu bringen und andererseits wollte ja nicht jeder Verkäufer gleichzeitig jenes Produkt im Gegenzug für den Handel erhalten, welches der Andere gerade feil bot. Es entwickelten sich daher ganz nebenbei die ersten Währungen, wie beispielsweise Ringe, Muscheln und Münzen.

1409 wurde in Brügge die erste Börse eröffnet, wo sich vor allem italienische Kaufleute zum Handeln trafen, es dauerte aber schließlich bis 1585 bis auch Börsen in Augsburg, Nürnberg und Frankfurt eröffneten. Gehandelt wurden in diesen bedeutenden Wirtschaftszentren aber meist Wechsel oder Anteile an Bergwerksgesellschaften. An dieser Stelle müsste wohl nun eine Anekdote über die Börse in Antwerpen und Tulpenzwiebeln folgen, da diese aber vermutlich jeder AGS-Spieler kennt, spare ich sie einmal aus. Neben den Anteilen an Bergwerksgesellschaften wurden damals auch festverzinsliche Papiere von Unternehmen und Staatsanleihen, die von Staatsoberhäuptern ausgegeben wurden gehandelt.

Die erste echte Aktiengesellschaft erblickte erst im März 1602 das Licht der Welt, es handelte sich um die in den Niederlanden zum Zwecke des Gewürzhandels gegründete „Vereinigte Ostindische Compagnie“. Diese AG war das größte Monopol ihrer Zeit und ihre Aktionäre haben zur ihrer besten Zeit im Jahr 1720 einen Kursgewinn von 1200% gemacht. Aufgrund verschiedener Faktoren musste die Gesellschaft 1799 Konkurs anmelden, 2 wertvolle Anteilsscheine existieren aber heute noch.

Das Zeitalter der Aktiengesellschaften begann im 19. Jh., was vor allem in der Industrialisierung und dem damit einhergehenden Eisenbahnbau begründet liegt. Anlass für die Entwicklung war vor allem das enorme und schnelle Wachstum der Unternehmen, welches eine Einzelperson nicht mehr hätte finanzieren können und deshalb so wie heute den Aktionären für ihr Geld tolle Renditen versprach. So gab es bis zu Beginn des ersten Weltkriegs in Deutschland rund 5000 Aktiengesellschaften.

Fun-Fact am Rande: Am 28.12.1921 durften auch erstmals Frauen die Börse betreten.

Der erste Weltkrieg war ein Rückschlag für die Entwicklung der Börsen, allerdings nur von kurzer Dauer, da vor allem durch rasante Fortschritte in der Industrie (erwähnt sei vor allem die Fließbandarbeit) schnell die goldenen 20-iger Jahre eingeleitet waren. Bedauerlicherweise endeten diese aber jäh mit dem schwarzen Freitag im Jahr 1929, der aufgrund der Zeitverschiebung eigentlich ein schwarzer Donnerstag war. Grund für den Börsencrash war insbesondere, dass die Leute in den Jahren zuvor hauptsächlich mit Fremdkapital investiert hatten und als die „big party“ endete und die Kurse ins Bodenlose fielen nicht mehr in der Lage waren ihre Kredite zu bezahlen.

Die darauf in den USA und Europa folgende Wirtschaftskrise war auch eine der Grundlagen für das Entstehen vieler Diktaturen und nicht zuletzt des Erfolgs der Nationalsozialisten in Deutschland. Es folgte der 2. Weltkrieg und eine furchbare Zeit der Zerstörung nahezu auf der ganzen Welt.

Mit Hilfe von Unterstützungen aus dem Ausland konnte Europa um die Jahrzehntwende langsam wieder aufgebaut werden und die Wirtschaft begann wieder anzulaufen, jedoch durfte Deutschland erst 1956 wieder ausländische Wertpapiere kaufen, dies war im Ergebnis die Grundlage für den zügigen Aufstieg vor allem der Frankfurter Börse. Es folgte das Wirtschaftswunder in den 60er Jahren und die Zeit des großen Aufschwungs.

In den 90er Jahren kam es dann zur nächsten große Umstellung: Die Computerisierung der Börse. Vorbei die Zeiten als man sich auf dem Parkett gegenseitig auf die Füße trat und wild durch die Gegend schrie. Stattdessen saß man nun gepflegt vor seinem Bildschirm und schob in Sekundenbruchteilen die Millionen umher. Ein weiterer Boom der Börsen war eingeleitet.

Doch auch wie schon 1929 platzte die Blase und mit dem Börsencrash 2008 begann eine erneute Wirtschaftskrise, die ihren Höhepunkt ab 2011 erreichte, unzählige Menschen ihr Heim und ihren Job kostete und ganze Staaten wirtschaftlich enorm schwächte. In den vergangenen Jahren hat sich wieder eine Besserung abgezeichnet und man darf gespannt sein wohin die Reise weitergeht.

Wie es allerdings den Anschein macht ist es mit der Geschichte der Börse wie mit dem Aktienkurs – es gibt Höhen und Tiefen, Gewinner und Verlierer und am Besten ergeht es jenen die besonders gut auf die nächste Veränderung vorbereitet sind.


Quellen:

  • Gabler Wirtschaftslexikon
  • Bortenlänger Christine & Kirstein Ulrich: Börse für Dummies

 

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