Hermaeus Mora

Jeder kennt die Systematik eines Computerspieles. Man beginnt im ersten Level und arbeitet sich Schwierigkeitsgrad für Schwierigkeitsgrad nach oben. Die Älteren unter euch werden sich noch an die Zeit der eckigen, grauen Konsolen und der ziegelsteingroßen Gameboys  erinnern. Dort galt dieses Gesetz uneingeschränkt. Jetzt leben wir im Jahr 2015 und befinden uns im AG-Spiel. Man kann sagen was man will, aber der Grundgedanke der sich erhöhenden Schwierigkeit ist immer noch gegeben. Zwar gibt es bei unserem Hobby keine Level oder Stufenabschnitte, aber wir haben einen anderen Indikator, nämlich die Kapitalgröße der AG. Dieser holt jeden ein ob er will oder nicht.

Aller Anfang ist leicht

Im AG-Spiel den Einstieg zu schaffen ist noch relativ simpel. Zwar ist auch hier schon die Ausfallquote recht hoch, allerdings liegt das wohl weniger an den Fähigkeiten, sondern mehr an dem Sachverhalt erst einmal zu entscheiden, ob das Spiel für denjenigen etwas ist. Wer dabei bleibt und es auch schafft seine AG nicht unbedacht zu ruinieren, der ist auf gutem Wege.
Mit dem Startkapital von 1 Mio Euro befüllt man erst einmal seine 8 verfügbaren Anleihen zu je 100.000€ und hat so schon mal 80% seines Kapitals in sichere und renditestarke Gefilde geschoben. Wer dann mit den restlichen 200.000€ keinen groben Mist baut, sondern erkennt, dass er streuen muss, der ist klar ein Kandidat für die Bezeichnung Topnewcomer. Aber auch wer blind investiert oder nur Große kauft, der kann, sofern die Anleihen stehen bleiben, nicht viel kaputt machen. Sind wir ehrlich, das ist Kindergarten! Es handelt sich hierbei nämlich um den einfachsten Schritt, der tausendfach im Hauptchannel des AG-Spiels und in etlichen Tutorials wie das Amen in der Kirche herunter gepredigt wird. Interessantere Aussicht bietet das was folgt.

Gib einem Spieler Geld und erkenne seine Fähigkeiten

Wenn alle Anfangsschwierigkeiten überstanden sind, dann geht es wirklich an die Buletten. Spätestens hier muss der Spieler alleine laufen und auch für sich Entscheidungen fällen und abwägen. Ab diesem Punkt sieht man dann erste Anzeichen und die Lernfähigkeit der Person dahinter, denn je mehr das zu verwaltende Kapital anwächst umso schwieriger wird es dieses sinnvoll und optimal zu verarbeiten. 1 Millionen spielt sich anders als 10 Millionen, 10 Millionen anders als 100 Millionen, um dies jetzt mal gerafft zusammenzufassen. Wir reden nämlich hier über einen Lernprozess und auch eine Strategiefindung von mehreren Monaten, wenn nicht gar Jahren. Wer viel unterbringen muss, der ist nämlich grundsätzlich gezwungen mehr zu beobachten und zu kontrollieren. Gute Investments kaufen, schauen wo etwas geht, die Investments im Depot überwachen, optimale Diversifikation aufweisen, sind nur ein paar Stichpunkte, die deutlich machen, dass es ein stetiger Tanz ist. Ein Tanz der immer schwerer und komplizierter wird und je nachdem wie sich entschieden wird eine Kapitalerhöhung durchzuführen oder nicht, fallen und stehen die AGs. Hier ist der Keim der Überheblichkeit, denn nur weil man hier noch mithalten kann bedeutet das nicht, dass es weiter oben noch immer funktioniert. Strategien und Pläne müssen veränderbar sein, sonst sind sie schlecht und eine gewisse Demut und Vernunft sind nie verkehrt.

Vitamin B als Garantie

Allerdings ist es bei diesem Spiel ein ziemlicher Irrtum davon auszugehen, dass nur fähige Spieler ihren Aufstieg schaffen. Das Mittel der Kapitalerhöhung ist ein alles verändernder Faktor. Je nach dem ver seine bezahlt bekommt, der erhält dort seinen Vorteil. Und jener Vorteil wird da eher weniger an die Fähigen ausgeschüttet. Der Markt zeigt da in deutlichen Beispielen, dass genau dem nicht so ist. Zwar bieten respektable Werte eine Voraussetzung, allerdings sind gute Kontakte nach oben noch viel viel mehr wert und weitaus wichtiger, als alles andere überhaupt! Der ausschlaggebende Punkt ist nämlich, dass die CEOs, welche über die Mittel verfügen eine KE zu unterstützen, ganz alleine entscheiden! Das hat oft wenig mit knallharter Mathematik zu tun, sondern ist oft lediglich eine Frage der Sympathie. Es ist ja auch vollkommen logisch. Warum sollte man jemanden seine KE bezahlen den man nicht mag oder zu dem man keinen guten Draht besitzt? Aber ganz so einfach ist das nicht. Die andere Seite ist auch wichtig. Leider findet da oft ein ziemlich einseitiges Denken statt und so ist es nicht verwunderlich, dass im Spiel viele wahnsinnig teure KEs von eher minderfähigen Spielern, allein wegen persönlichen Kontakten bezahlt werden. Andere fähigere CEOs haben oft keine Chance ihre Mehraktien auf dem Markt zu platzieren, trotz das eine Ankündigung und solide Strategieplanung vorliegt. Dort werden eher noch Blöcke davor gebaut, um möglichst noch Gewinn mitzunehmen. Das ist leider zu einem Sport geworden, der früher eher die Ausnahme darstellte, aber seit den letzten zwei Jahren eine zunehmende Tendenz aufweist. Die großen AGs sind einfach nicht mehr gewillt Chancen zu vergeben, sondern sie wollen Profite. Sicherlich spielt da auch das Werkzeug der Kapitalherabsetzung eine Rolle. Als es diese noch nicht gab musste man zwangsweise schauen was man mit dem Geld anfängt. Herumliegen lassen stellte keine Option dar und dementsprechend zog man es in Betracht die eine oder andere Kapitalmaßnahme anderer AGs zu unterstützen. Seit es die Kapitalherabsetungen aber gibt wird diese bei der Entscheidung über die Verwendung der Mittel eher in Betracht gezogen.

Die Rache der Vetternwirtschaft

Die Folge aus der Vergabe der Kapitalfinanzierung aus Sympathie heraus, die sich im AG-Spiel eingeschlichen hat, ist im Grunde ganz logisch. Fähigkeiten werden sekundär und viele Spieler sind mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln maßlos überfordert, während andere die es könnten unterfordert sind! Das sieht man besonders gut in den Top50 des Größenhighscores.  Wenn man sich in der Folge einmal ansieht was mit dem erhaltenen Geld angestellt wurde, dann werden einem von ganz alleine die Haare grau. Dort treten aus Ideenlosigkeit, Mangel an Sachverstand und auch Überforderung wieder die einfachsten Fehler aus der Anfangsphase nur eben im großen Maßstab auf. Schlechte Diversifikation, Kreuzverwebungen, sinnloser Handel mit der Brechstange, Fehleinschätzung der vorhandenen Kaufoptionen, etc. sind noch die harmlosesten Dinge der vorliegenden und geballten Inkompetenz. Die Herausforderung an eine Groß-AG schaukeln wirklich die wenigsten Spieler. Da stellt man sich doch einige Frage. Warum will man etwas haben, mit dem man nicht umgehen kann? Warum gibt es Spieler, die solchen Unsinn unterstützen? Sind reale Zahlen und Fähigkeiten wirklich nichts wert? Das sind Gedanken, die sicher so mancher Spieler in den unteren Gefilden der Kapitalnahrungskette so stellt, erst recht wenn er aus fadenscheinlichen Gründen für seinen guten Plan keine Unterstützung erhalten hat. Es wird eine Elite aus Versagern herangezüchtet, die mit ihren Kapitalien dann entscheiden was gut oder schlecht ist. Daraus resultieren ziemlich groteske Ereignisse im Spiel, bei denen sich jeder logikbegabte Mensch an den Kopf greift und sich fragt was falsch läuft. Dies bildet eine ziemliche Spannung in der Community, welche meiner Meinung nach zurecht, die wichtigste Grundfrage über die Sinnhaftigkeit des Spiels stellt.

Der Lösungsansatz für jeden Einzelnen

Wer keine Kontakte besitzt, vielleicht noch eher unbeliebt ist, das Spiel aber von den Fähigkeiten her beherrscht, der hat keinen einfachen Weg vor sich. Er versucht oft vergeblich seine KE zu platzieren und muss sich wohl auch oft genug Dinge vorwerfen lassen die nicht stimmig sind. Allerdings bestehen dennoch Vorteile, denn nur weil man etwas nicht ist oder es nicht besitzt, heißt das nicht das man es theoretisch nicht könnte. Das Herausschlagen von Profit ist bei tumb eingestellter Konkurrenz leichter als wenn man gegen einen Gegner mit Sachverstand antreten muss. Zugegeben, der Weg nach oben bleibt hart und zieht sich, aber genau dort liegt auch der Vorteil. Spieler die in den Fahrstuhl nach ganz oben fallen, haben nie gelernt zu konkurrieren, erfahrungsgemäß ist nur Ego und Arroganz gewachsen. Sie wissen nicht wie es ist eine Strategie auf lange Sicht durchzuziehen, sie wissen nicht wie es ist sich selber hinein zu knien und Gewinne zu erwirtschaften, sie haben keinen Plan nach ihrer Installation als Großer und genau dort befindet sich die Chance für jeden anderen! Die Rache des Versagens ist ein Damoklesschwert welches über ihnen kreist und genau ab diesem Punkt zu ihrer Achillesferse wird. Letztendlich ist Fähigkeit nämlich doch das Alpha und Omega, ob sie das nun wollen oder nicht! Schnell wird sich da im Millionenbereich vertan, einfach ist es da ein gutes Geschäft heraus zuschlagen, noch einfacher ist es ihr Unverständnis zu lenken, sie zu etwas zu bringen was ihnen schadet und anderen nützt. Du musst mit steigen Schlägen die Eiche fällen und kämpfen, auch wenn die Aufgabe schier unlösbar erscheint und keine Unterstützung zu erwarten ist. Man mag es kaum glauben, aber genau solche Kämpfer gibt es noch im AG-Spiel.

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