…wie ein Mann zwei florentinische Bankhäuser in den Bankrott trieb.

Dieser Artikel enthält Spuren von Geschichte, Allergikern wird dringend davon abgeraten ihn zu lesen.

Wir schreiben das Jahr 1337 und richten unseren Blick in Richtung Ärmelkanal. In England regiert seit 1330 König Edward III. Dieser gilt nicht nur aufgrund seiner langen Regierungszeit (50 Jahre), sondern auch aufgrund diverser wichtiger Staats- vor allem aber Militärreformen als einer der außergewöhnlichsten Könige im englischen Mittelalter. Bekannt ist zudem auch heute noch zumindest unter Geschichtsfans die militärische Strahlkraft von Edward III und seinem Sohn Edward of Woodstock, dem schwarzen Prinzen.

2 Jahre zuvor – 1328 – starb in Frankreich mit Karl dem Schönen der letzte König des Geschlechts der Kapetinger und hinterließ dabei dummerweise keinen männlichen Erben in direkter Linie. In der damaligen Zeit ein großes Problem. To make a long story short: Aus dieser unerfreulichen Tatsache resultierte nun unter anderem folgende Situation: Die Mutter von Edward III war Isabella von Frankreich (auch Shewolf of France genannt) und die Schwester des verstorbenen Karl dem Schönen. Isabellas Sohn war somit sein Neffe und hatte daher einen legitimen Anspruch auf den französischen Thron. Dennoch wurde Ende Mai 1328 ein Cousin von Karl dem Schönen, Philipp de Valois zu Philipp VI. gekrönt. Gut für ihn – schlecht für Edward!

Dies oder ähnliches muss sich wohl auch Edward gedacht haben und als Philipp dann 1337 in Edwards Lehen Aquitanien einmarschierte folgte die prompte Kriegserklärung seitens England. Dass daraus der 100-Jährige-Krieg werden sollte konnte nun ja auch wirklich niemand ahnen…

Zum Glück für Edward hatte sich schon einige Jahrzehnte zuvor von Italien aus das Bankwesen entwickelt und so unterhielten beispielsweise Familien wie die Bardi aus Florenz zahlreiche Bankfilialen in ganz Europa und wurden mit diesen Unternehmungen sehr wohlhabend. Da sich der Krieg als überaus teures „Vergnügen“, welches die englische Wirtschaft überforderte und dass die heimischen Finanziers nicht zu bezahlen bereit waren herausstellte, lieh sich Edward im Laufe der Jahre 900.000 Fiorentini bei der „Compagnia dei Bardi“ und nochmal obendrauf 600.000 Fiorentini von der Bank der Florentiner Peruzzi Familie. Edward versicherte diese horrenden Summen samt und sonders Zinsen von der Erlösen der im Krieg erbeuteten Schätze zurückzubezahlen.
Dummerweise ließen die ersten militärischen Erfolge bis auf einige wenige Ausnahmen dann aber doch noch bis 1346 auf sich warten.

Zudem – und auch das sollte für die Bankhäuser zum Verhängnis werden – lieh man sich auch auf der anderen Seite des Kanals gerne Geld bei den Florentiner Banken und so kam es wie es kommen musste: 1345 war Phillip von Frankreich zutiefst enttäuscht von der Welt als er herausfinden musste, dass Banken um Gewinne zu machen auch schon damals Geld an jeden, auch Feinde, verliehen und Loyalität wider gegenteiliger sozialromantischer Behauptungen wohl doch ein Preisschild hatte und Edward wiederum war noch enttäuschter über die noch nicht erbeuteten französischen Schätze und so entschied er sich aufgrund dieser Tatsache und der leeren Staatskasse sämtliche Tilgungs- und Zinszahlen an die italienischen Banken umgehend einzustellen und sie nie wieder aufzunehmen. Philipp muss sich wohl gedacht haben „Was der kann, das kann ich schon lange.“ und stellte die Zahlungen seinerseits ebenso ein.

Da die Familien Bardi und Peruzzi weder über die diplomatischen noch über die militärischen Mittel verfügten, um an diesen Entscheidungen etwas zu ändern und ein internationales Wirtschaftsrecht samt Gerichtsbarkeit in diese Richtung auch noch nicht erfunden war mussten sie tatenlos dabei zusehen, wie man ihnen einen Gutteil ihres Vermögen nahm, ohne dass sich irgendwer dafür interessierte. Nach kurzer Zeit waren beide Banken insolvent und mit der Compagnia dei Bardi das damals führende Bankhaus Europas über Nacht ruiniert. Die Familie erholte sich zwar nach einigen Jahren von diesem Schlag, an vergangene Erfolge konnte sie allerdings nicht mehr anknüpfen.

Philipp starb 1350, Edward 1377 – der Krieg ging weiter. Es gab Höhen und Tiefen, Waffenstillstände und brutale Schlachten und so wurde der Krieg von Generation zu Generation weitervererbt. Erst Mitte des 15. Jh. als bereits die Banco de Medici die Vormachtstellung im europäischen Bankwesen übernommen hatte und in England mit Henry VI. einer der schlechtesten Könige der englischen Geschichte regierte kam der 100-Jährige Krieg zu einem Ende. Das Ergebnis waren nicht nur massive Gebietsverluste Englands am Kontinent, abertausende Tote auf beiden Seiten, sondern auch 2 pleitegegangene italienische Familien, der geebnete Weg zum Erfolg für die Banco de Medici und wohl einer der dreistesten Diebstähle der Geschichte.

Und was lernen wir, liebe Leser, aus dieser Geschichte? Nun zum Einen: Verleihe niemals Geld an verzweifelte Menschen, außer du möchtest es dringend loswerden. Zum anderen ist auch dies ein Beispiel dafür wie kleine Fehler große Unternehmen zerstören können und wie ehrgeizige Innovatoren aus deren Asche wegweisende Unternehmen erschaffen können, die dann ganze Branchen revolutionieren.

Menü schließen